Nicolas Joly: Les Vieux Clos 2009

Für den ersten Wein des Monats in meinem Blog habe ich mich ganz bewusst gegen das entschieden, was nahe liegt: Riesling, Pinot Noir oder Chardonnay. Diese drei genialen Rebsorten zeichnen für einen Großteil meines Repertoires an Lieblingsweinen verantwortlich. Es gibt jedoch auch eine ganze Reihe weniger bekannter Rebsorten, die außerhalb eines kleinen Kreises von Weinverrückten kaum jemand kennt und aus denen sich hervorragende Tropfen keltern lassen. Zu diesen Rebsorten zählt der Chenin Blanc, den man an der Loire eigentlich immer in Zusammenhang mit einer prägenden Winzerpersönlichkeit nennen muss: Nicolas Joly.

Nicolas Joly, Wein des MonatsJoly begann zunächst eine Karriere im Investment Banking. Nach Stationen in New York und London kehrte er 1977 der Finanzwelt den Rücken und übernahm das Weingut seiner Familie in Savennières. Unzufrieden mit den landwirtschaftlichen Entwicklungen begann er, sich intensiv mit Biodynamie und der Lehre Rudolf Steiners auseinanderzusetzen. Seit den 1980er Jahren werden alle Weine seines Weinguts Château de la Roche aux Moines konsequent biodynamisch an- und ausgebaut. Flagschiff der Kollektion ist der Clos de la Coulée de Serrant, der in Fachkreisen regelmäßig als bester trockener Weißwein der Welt gehandelt wird. Die klassifizierte Lage für diesen Wein befindet sich im Alleinbesitz der Familie Joly. Daneben produziert Nicolas Joly lediglich zwei weitere Weine, allesamt aus der Rebsorte Chenin Blanc. In sehr guten Jahren gibt es außerdem einen Süßwein.

Der einfachste Wein von Nicolas Joly

Heute soll es aber um den einfachsten Wein von Nicolas Joly gehen, Les Vieux Clos. Ich muss zugeben, in der Vergangenheit vor allem den Coulée de Serrant getrunken und gekauft zu haben. Ich habe von diesem Wein eine hohe Meinung, wenn auch die Produktionsweise nicht jeden Jahrgang zu einem Vergnügen macht. Vor wenigen Tagen kam ich dann unverhofft in die Situation, die Vieux Clos aus 2009 probieren zu können: Er wurde mir zu meinem Mittagsmenü in der Terrine angeboten.

Wer bei Weißwein sofort an leichte, unauffällige Tropfen denkt, wird bei Nicolas Jolys Vieux Clos überrascht sein. Der Wein fließt mit einem dichten Gelb und höchstens minimal grünlichen Reflexen ins Glas. Sofort offenbart sich ein intensives Bouqet von reifen Äpfeln, getrockneten Apfelschalen und Quitten mit etwas getrockneten Blüten. Am Gaumen geht es kräftig weiter, ohne die nötige Frische vermissen zu lassen. Die Lagerung in gebrauchten Eichenholzfässern ist kaum zu schmecken, sorgt allerdings für innere Dichte und Struktur. Eine derzeit noch präsente Bitternote und der lange Nachhall machen den Wein zum perfekten Speisebegleiter. Künftig werde ich jedenfalls auch den kleineren Weinen aus dem Hause Joly mehr Beachtung schenken müssen.

27. Oktober 2012 von Florian S. Küblbeck
Kategorien: Wein des Monats | Schlagwörter: , | 4 Kommentare

Kommentare (4)

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